Previous Next

Vom Blues zum Bluesrock

Einblicke und Interessantes

Deltablues

Die Entstehung der Form des Blues wird zwischen 1870 und 1890 datiert, es gibt da unterschiedliche Einschätzungen. Als WC Handy 1903 am Bahnhof von Tutweiler das erste Mal einen Blues von einem unbekannten Gitarristen / Sänger hört, der zudem mit einem Messer slidete, war das Genre offensichtlich schon weit gereift.

Signifying

Das „Signifying“ steht für das Verschleiernde und Doppeldeutige. Dem Bildungsstand der ersten Interpreten entsprechend ist das gesungene Englisch oft abenteuerlich und schwer verständlich, dazu kam der starke Akzent bei vielen der alten Bluessänger. Was bedeuten all die verwendeten Begriffe?

Bluesrock

Bluesrock ist die Verbindung von Blues und Rockmusik. Die Anfänge des Genres gehen auf Mitte der 1960er Jahre zurück, als Bands wie die Rolling Stones, Fleetwood Mac, John Mayall und viele andere von Bluesmusikern wie Elmore James, Howlin’ Wolf, Robert Johnson und Muddy Waters beeindruckt waren und ein neues Genre entwickelten.

Geschichte des Bluesrock Zusammenfassung

Wie der Blues(rock) entstand

Als in den Sechzigerjahren der Bluesrock in Grossbritannien aufkam und populär wurde, war vielen nicht bewusst, woher die wesentlichen Einflüsse dieses neuen Genres stammten. Nämlich dem urtümlichen Blues aus den USA. Im neuerschienenen Buch „Fazination Bluesrock“ wird die Geschichte des Blues erzählt.

Die Schwarzen kamen von 1619 an als Sklaven nach Amerika. 1860 lebten dann rund 4.4. Mio. in den USA. Die Sklavenfrage führte zum Bürgerkrieg in den USA. Nach ihrer nominellen Befreiung nach Kriegsende setzte ihnen die Segregation (Jim Crow) zu. Viele Schwarze blieben auf ihrer angestammten Farm und arbeiteten nun als sogenannte Sharecropper, als Pächter. Die Landeigner finanzierten die Abhängigen mit Wucherzins-Krediten vor. Die Kreditzinsen waren jedoch meist höher als der Ertrag und so kamen die Sharecropper auf keinen grünen Zweig. Das gab für junge Schwarze starke Anreize diesem Dilemma durch ein Wanderleben als Musiker oder durch Migration in den Norden zu entkommen.
Die alten Meister, die das Genre des «Deltablues» in den Jahren zwischen ca. 1890 und 1940 vorwiegend im Blues-Delta prägten und mitentwickelten, waren fast alles Autodidakten und nicht selten gar Analphabeten. Sie kombinierten viele Element und Einflüsse zu einer neuen Mischung, die heute als Blues bekannt ist. 
Das Mississippi-Delta ist indes nicht als Flussdelta zu verstehen, sondern es ist das «Dreieck» mit den Eckpunkten Vicksburg im Süden und Memphis im Norden, im Westen und Osten begrenzt durch die Flüsse Mississippi und Yazoo.

Einflüsse aus drei Kontinenten

Wichtige Vorläuferelemente des Blues kamen aus Europa, Afrika und den USA:  Europäische Volksmusik, Worksongs (Field Hollers), die beim monotonen und langen Arbeiten gesungen wurden, aber auch „Indianergesänge“.  Viele der ersten Bluesmusiker hatten eine Mutter oder mindesten eine Ahnin mit indianischer Herkunft, weil zumeist männliche Sklaven aus Westafrika geholt wurden und eigentlich nur Indianerinnen als Frauen verfügbar waren.
Die Harmonien, Rhythmen und Melodien kamen aus verschiedenen Quellen. Populäre Songs aus vielen Stilrichtungen wurden laufend von Musikern übernommen und entsprechend variiert. Einen wichtigen Anteil hatten die Musiker der Minstrel Shows der Vaudevilletheater. Die ursprünglich europäisch gefärbten Theatergruppen zogen damals durch die Lande und waren sehr beliebt. Sie imitierten zur Belustigung des Publikums die Sprache der Schwarzen und ahmten die afroamerikanische Art des Tanzens in übertriebener Weise nach. «Vaudeville» war ein Unterhaltungsprogramm und bestand aus einer temporeichen Zusammenstellung gemischter Nummern in der Art eines Varietés. Eine der programmierten Nummern hiess Blues. Ab ca. 1899 kamen gar Vaudeville Shows nur mit Schwarzen auf, die eigens für das schwarze Publikum auf Tournee gingen. Die erwähnte Bluesnummer wurde meistens von einem Pianisten mit Sängern und / oder Sängerinnen bestritten. 
Die ersten Instrumente, die dem Blues dienten, waren neben den Gesängen primitive Saiteninstrumente wie die „Diddley bow“. Früh kamen Klaviere ins Spiel, erst allmählich setzte sich die – anfänglich teure - Gitarre durch.

Patton, der Blues-Clown

Die ersten Stars des Blues beim gemischten Publikum waren fast ausschliesslich Frauen, weil diese etwas mehr Spielraum hatten bei der weissen Bevölkerung. 
Charley Patton andererseits war der erste männliche Bluesstar - vorwiegend bei den Schwarzen - seiner Zeit. Pattons Bedeutung ist immens. Kein Country-Blues-Musiker übte einen grösseren Einfluss auf nachfolgende Generation des Delta-Blues aus als er. Howlin’ Wolf, John Lee Hooker und Robert Johnson bis hin zu Muddy Waters oder  Elmore James können ihren Stil, respektive bedeutende Teile davon, auf ihn zurückführen. Pattons Shows waren zudem theatralisch und clownesk. Neben Charley Patton war Robert Johnson (King of the Delta Blues) einer der ersten Musiker, der ein breites, aus verschiedenen Quellen stammendes Blues-Repertoire mit praktisch allen stilbildenden Elementen aufnahm. 
Blind Lemon Jefferson & Leadbelly

Parallel zum Deltablues gab es auch in anderen Gegenden der Südstaaten Entwicklungen. Speziell Texas war in Sachen Blues ein Hotspot. Der bekannteste Protagonist und Pionier aus der Frühzeit war „Blind Lemon Jefferson“. Er ist einer der Väter des Texas Blues und war der erste Country-Blues-Musiker der USA, dessen Aufnahmen kommerziell sehr erfolgreich waren. Die weitaus schillerndste Figur jedoch war Leadbelly (Bleibauch), der zweimal wegen Mord ins Gefängnis kam. Leadbelly hatte ein breites, nicht nur Blues, umfassendes Repertoire von rund 500 Songs, darunter noch heute bekannte Titel wie «Cotton fields», «Black Betty» oder «The Midnight Special».
Signifying – die Sprache des Blues

Die Texte der Bluessongs aus der Frühzeit des Blues waren stilprägend. Die dominierenden Themen waren Sex in allen Variationen, Unterdrückung und Lebensumstände. Vieles wurde in den Texten verklausuliert («Signifying»). Dem Bildungsstand entsprechend ist auch das Englisch oft abenteuerlich und schwer verständlich, dazu kam der starke Akzent bei vielen Bluessängern. Nicht unwichtig ist auch der Einfluss der Voodookultur, der Niederschlag in vielen Symbolen des Blues findet, allen voran die Mojo Hand als Glücksbringer und Zaubermittel.

Chicagoblues

Zwischen 1929 und 1945 brachen die Aufnahmen und Aktivitäten der Blueskünstler massiv ein; dies wegen des Börsencrashs, der Depressions- und der Kriegszeit. In dieser Zeit wechselte ein gewisser Muddy Waters von der akustischen zur elektrischen Gitarre. Damit war der Sprung Richtung Chicago Blues getan. Jetzt konnte man die Gitarre auch verzerren, hatte mehr Sustain und war lauter. Die typische Bluescombo umfasste nun nebst Gitarristen, Schlagzeuger und Bassist auch Bluesharp und Piano, der Sound änderte sich. 
Die Briten waren es dann die in den Sechzigerjahren den Ball aufnahmen und aus dem Blues und neuen Elementen den Bluesrock entwickelten.

Buch
Buch

Buch "Faszination Bluesrock" bestellen:

Bei uns  oder bei Ex Libris  oder bei BoD  oder bei Amazon  oder bei Books.ch