Blues in den 40er / 50er Jahren

Zwischen 1929 und 1945 brachen die Aufnahmen von Blueskünstlern massiv ein; dies wegen des Börsencrashs, der Depressions- und der Kriegszeit. Nur ein paar wenige konnten sich über Wasser halten. Deshalb ist diese Zeit auch schlechter dokumentiert mit Aufnahmen. Nicht wenige legten in diesen Jahren eine Pause ein oder hörten auf.

Erschwerend kam noch dazu, dass der herkömmliche Blues aus der Mode geriet, jetzt waren Count Basie und viele andere Orchester angesagt. Blues verkam zum unattraktiven «alten Zeugs». Die Schwarzen wollten zudem auch nicht an ihre Sklavenzeit erinnert werden. Blues war ein Synonym für die Segregation und die Unterdrückung. Es herrschte Aufbruch.

 


„King Biscuit Time“

 

In Helena, Arkansas, hatten ein paar Bluesmusiker die Idee sich mittels Radiowerbung auf dem Sender KFFA  bekannt zu machen. Sie suchten und fanden einen Sponsor, nämlich eine Firma, die «King Biscuit Flour» vertrieb. Dies gab der Sendung dann den Namen, nämlich die «King Biscuit Time».

Erste Sendungen wurden von Sonny Boy Williamson II. (Rice Miller) und Robert Lockwood jr gestaltet, die auch den Kern der Studioband bildeten. Zu den Bluesartisten, die im Laufe der Zeit in der Show auftraten, gehörten auch Little Walter und Jimmy Rogers. Diese Sendung wurde ungemein populär und machte auch deren Protagonisten weitherum bekannt. Sie spielten Mittags im Radio 15 – 30 Minuten und machten dafür Werbung für ihre abendlichen Auftritte.

Sonny Boy Williamson II webte auch selber an seiner Sage, so gibt es Geburtsdaten für ihn zwischen 1899 und 1912, wobei 1912 wahrscheinlich ist. Er war das 21. Kind und spielte kurzzeitig u.a. auch mit Elmore James und Robert Johnson. Anfänglich nannte er sich „Little Boy Blue“, nahm dann aber den Namen eines nicht mit ihm verwandten, aber damals bekannteren, Musikers an, der gar keine Freude daran hatte. Deshalb wird er, der eigentlich Rice Miller heisst, Sonny Boy Williamson II genannt. Er soll gewalttätig und furchteinflössend gewesen sein mit seinen riesigen Händen. Man nennt ihn auch zu Recht den „King oft the Delta Blues Harmonica“. Er verspielte und versoff seine Gage und die seiner Band oft.

Elmore James spielte u.a. mit Robert Nighthawk, Sonny Boy Williamson und Robert Johnson. Nebst seiner überaus populären, intensiven Version von „Dust my broom“ ist er bekannt für seine Hits „It hurt’s me to“ und „The sky is crying“. Jeremy Spencer von den Fleetwood Mac konnte ihn fast 1:1 nachahmen.

In dieser Zeit wechselte Muddy Waters von der akustischen zur elektrischen Gitarre. Damit war der Sprung Richtung Chicago Blues getan. Nun konnte man die Gitarre auch verzerren, hatte mehr Sustain und war lauter.

Der Korrektheit wegen sei erwähnt, dass bereits in den 1920er Jahren die ersten Bluesmusiker elektrisch verstärkte Gitarren zu Nutzen begannen.

Die typische Bluescombo umfasste nun nebst Schlagzeuger und Bassist auch Bluesharp und Piano, der Sound änderte sich. Die Textinhalte nahmen sich nun auch vermehrt städtischen Themen an. In den Fünfzigerjahren nahm Muddy Waters seine bekanntesten Songs wie den «Hoochie coochie man» oder «Manish boy» auf. Der Chicago Blues entstand vor allem in den Chees Studios, wo Willie Dixon Produzent und Hauskomponist war.

Dixon hat die Entwicklung des Chicago-Blues in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend und an vorderster Front geprägt. Als Bassist bei Chess Records ist er auf zahlreichen Aufnahmen zu hören. Seine bekanntesten Arbeiten sind diejenigen mit Muddy Waters und mit Howlin‘ Wolf.

 


„Willie Dixon & Chess“

 

Als Studiomusiker und Hausbassist bei Chess Records ist er auf zahlreichen Plattenaufnahmen zu hören. Als Bassist von Chuck Berrys frühen Aufnahmen trug er zudem auch zum Siegeszug des Rock’n’Roll bei.

Zudem war Dixon als Songwriter und Produzent für die Chicagoer Blues-Label Chess Records und Checker Records eine regelrechte Songfabrik. Er schrieb viele der bedeutendsten Blues-Songs wie „Hoochie Coochie Man“, „Evil“ oder „Back Door Man“, die vor allem mit den Interpretationen von Muddy Waters und Howlin’ Wolf bekannt geworden sind. Aber auch viele andere Blues-Legenden griffen seine Songs auf.

Wolfs Vorbild war Charley Patton, von dem er ersten Gitarrenunterricht erhielt, da Patton auf der ihm nahen Dockerey Plantage arbeitete. Den ersten Mundharmonikaunterricht erhielt er zudem von Sonny Boy Williamson II., der seiner Stiefschwester den Hof machte.

In einem Atemzug mit Howlin‘ Wolf und Muddy Waters sollte man auch Hubert Sumlin nennen. Hubert Sumlin kennt man vor allem als Leadgitarrist und Sideman von seinen Aufnahmen mit Howlin’ Wolf. Er spielte sowohl mit Howlin’ Wolf (25 jähre), als auch Muddy Waters in den Fünfzigerjahren in Chicago. Nicht wenige auch heute noch populäre Blues-Gitarrenriffs haben wir ihm zu verdanken. Das wohl bekannteste ist das Riff in „Smokestack Lightnin'“.

Auch bekannt war Willie Johnson als Mitglied der ersten Band von Howlin’ Wolf, als dieser in noch Memphis aktiv war. Mit Wolfs Umzug nach Chicago wurde er allerdings durch Hubert Sumlin ersetzt.

Sein Verdienst: Willie Johnson spielte auf intensive Art und für damalige Zeiten unerhört verzerrt. Man muss sich nur Howlin Wolfs „So many more years“ anhören. Der Gitarrensound war für 1951 explosiv!

Zu Unrecht vergisst man oft eine weitere Figur: JB Lenoir. Seine Vorbilder waren Blind Lemon Jefferson und Lightnin’ Hopkins. Erst in New Orleans, wo er mit Sonny Boy Williamson II. Und Elmore James spielte, dann ab Ende der 1940er in Chicago, nahm er diverse Songs auf. 1954 erschien der nachmalige Blues-Standard  «Mama Talk to Your Daughter».

Als „King of the slide guitar“ bekannt war Elmore James. James war von Robert Johnson, Kokomo Arnold und Tampa Red beeinflusst. Seine Version von „Dust my broom“ ist die wohl bekannteste. Er gilt als der eindringlichste Slidegitarrist seiner Zeit.

Jimmy Rogers kennt man, weil er in den 1950er Jahren in der Band von Muddy Waters spielte. Seine musikalischen Vorbilder und Lehrmeister waren u.a. Big Bill Broonzy und Robert Junior Lockwood. Lockwood war für ein paar Jahre der Stiefsohn von Robert Johnson.  Rogers Vorbilder waren Memphis Minnie, Tempo Red und Robert Johnson. Von ihm stammt auch die erste Erscheinung des Begriffes „sloppy drunk“ auf einer Aufnahme.

In den 1940er Jahren ging Rogers nach Chicago, wo er unter anderem mit Sonny Boy Williamson I., Sunnyland Slim und Big Bill Broonzy auftrat. bekanntester Song: „Walkin by myself“. Er war bei Muddy Waters dabei, als sie auf elektrische Gitarren umstiegen.

In den 20er bis 50er Jahren kannte man Memphis Minnie, auch weil sie zu einer Zeit auftrat, als man den Gitarrenblues eigentlich noch als reine Männersache ansah. Um sich in dieser Zeit durchzusetzen, lag ihre einzige Chance darin, sich noch männlicher zu geben als ihre männlichen Kollegen.

Sie fluchte, trank, rauchte, spielte Karten und prügelte sich gerne. Es ist überliefert, dass sie ihren Partner Little Son Joe einmal vor den Augen des Publikums auf der Bühne verprügelt hat. In frühen Jahren spielte sie mit Willie Johnson und sie zählt zu den ersten weiblichen Musikern, die eine elektrische Gitarre verwendeten. Ihre Sporen verdiente sie sich in der Beale Street in Memphis ab.

Buddy Guy schliesslich war ebenfalls in Chicago aktiv. Er war beeinflusst von Guitar Slim und ist bekannt für sein virtuoses Spiel. Viele bekannte Licks und Riffs stammen von ihm. Er übte einen starken Einfluss aus auf Eric Clapton, Jimi Hendrix, Jimmy Page, Keith Richards, Stevie Ray Vaughan und Jeff Beck. In den Sechzigerjahren spielte er mit Muddy Waters und war Hausgitarrist bei Chess. Man hört ihn auf diversen Aufnahmen von Muddy Waters, Howlin' Wolf, Little Walter, Sonny Boy Williamson und anderen. Sein erstes Instrument war ebenfalls eine Diddley bow.

Guitar Slim, ursprünglich aus New Orleans, war mit dem Titel „The Things That I Used to Do“ bekannt geworden. Er übte Einfluss aus auf den Rock ‚n‘ Roll und spielte experimentierfreudig, lange bevor Jimi Hendrix diese Rolle übernahm.

Sein Vorbild war T-Bone Walker. Bei, Liveauftritten hatte er einen Assistenten, der ein bis zu 100 Meter langes Kabel hütete, damit Slim sich im Saal oder gar bis vor das Lokal unfallfrei und ohne Unterbrechung bewegen konnte. Auch sein Gitarrensound war speziell und virtuos und beeinflusste Buddy Guy und Albert Collins.

John Lee Hooker arbeitete seit 1943 bei Ford in Detroit und abends spielte er in den Kneipen. Mit seiner Interpretation des Blues und dem ansteckenden Groove hatte er eine wachsende Anhängerschaft. Er spielte früh schon Elektrogitarre, mit der er einen neuartigen Sound schuf.

Hooker spielte in dieser Zeit meistens solo. Ab Mitte der Fünfzigerjahre hatte er eine Begleitband mit Jimmy Reed an der Gitarre.

Zu Beginn hiessen die Aufnahmen mit schwarzen Künstlern „Race Records“, ab 1945 verwendete man den neuen Begriff „Rhythm and Blues“. Dies umfasste aber weit mehr als nur Blues.

BB (Beal Street Blues Boy) King wurde in Memphis gross. Seine Idole und Vorbilder waren Blind Lemon Jefferson, Lonnie Johnson, T-Bone-Walker u.a. Lange war er nur bei den Schwarzen bekannt, hatte in den späteren Jahren jedoch ein riesiges internationales Publikum. Er ist auch bekannt für seine Gitarre Lucille und seine 15 Kinder.


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