Charley Patton / Robert Johnson und Co.

Charley Patton war in den ersten dreissig Jahren des 20 Jahrhunderts als Musiker aktiv und beeinflusste Generationen von Deltabluesmusikern. Als Wandermusiker unterwegs avancierte er zum gefeierten Star in der schwarzen Community und sogar darüber hinaus.  Ein Teil seines Repertoires spielte er in drei Aufnahmesessions 1929 und 1930 ein, durch die seine Bekanntheit noch grösser wurde.

Patton war charismatisch und gut aussehend und hatte eine grosse Wirkung bei Frauen. So soll er bis zu acht Frauen in verschiedenen Ortschaften gleichzeitig gehabt haben. Er war zudem Alkoholiker und äusserst streitsüchtig.

Seine Auftritte waren theatralisch, wie bspw. mit Gitarre auf dem Rücken spielen, perkussiver Einsatz von Händen und Füssen u.s.w. Jimi Hendrix hat es also nicht erfunden, Patton aber auch nicht. Solche Sachen waren auch schon in den Vaudevilleshows bekannt.

Er erlernte das Gitarrenspielen um 1908 auf der Dockery Plantation und war auch mehrere Jahre im Gefängnis. Seine Aufnahmen machte er erst im Alter von ca. 40 Jahren (ab 1928) und hatte bis zu diesem Zeitpunkt erhebliche Erfahrung sammeln können, was sich in solidem Spiel auf den Aufnahmen niederschlägt. Obwohl Zeitzeugen erzählten, dass er bei Auftritten wegen seinen Showeinlagen oft das Timing nicht halten konnte. Seine ersten Aufnahmen machte er bei Henry Spears, dem Inhaber eines Musikladens, der immer wieder neue Künstler suchte und aufnahm. Die Musiker wurden pro Aufnahmesession bezahlt und hatten nachher nichts mehr von den Einkünften abgesehen vom erweiterten Bekanntheitsgrad.

Viele bekannte Bluesmusiker der auf ihn folgenden Generation berufen sich auf ihn, so auch Robert Johnson, Muddy Waters und Howlin’ Wolf.

 


„Blues und Booze“

 

Der wohl meistzitierte Bluesmusiker der zweiten Generation ist Robert Johnson. Er ist – was seine Aufnahmen betreffen – einer der am besten dokumentierten Vertreter seiner Generation. Sein Repertoire ist mutmasslich ein Spiegel des Genres in den Dreissigerjahren.

Obwohl als Autor aufgeführt sind seine Songs oft adaptiert und umgewandelt und stammen grösstenteils aus diversen anderen Federn, beispielsweise von Kokomo Arnold, Leroy Carr, Charley Patton oder Skip James. Heute gilt Johnson als einflussreichster Gitarrist des Deltablues für die Wiederentdecker in den Sechzigerjahren und danach.

In den Zwanzigerjahren lernte Johnson den im Mississippi-Delta bekannten Bluesmusiker Willie Brown kennen, der oft mit Charley Patton spielte. Von Brown und Patton schaute er sich die ersten Griffe und Licks ab. Dennoch war Johnson zu seiner Zeit nicht sehr bekannt, wenn man ihn mit Grössen wie Charley Patton vergleicht. Seine bestverkaufte Platte erreichte nur ca. 4‘000 Kopien. Sein Ruhm entstand erst lange nach seinem Tod in den Sechzigerjahren, als seine Aufnahmen aus den Dreissigerjahren neu aufgelegt wurden und von einem weissen Publikum entdeckt wurden. Auch in Grossbritannien beeinflusste er namhafte Bluesgitarristen wie Eric Clapton oder die Fleetwood Mac Gitarristen Peter Green, Jeremy Spencer und Danny Kirwan.

Skip James fiel durch seine ungewöhnliche Falsettstimme und sein filigranes Fingerpicking auf. Er spielte mit offenen Gitarrenstimmungen (E-moll, D-moll, A-Dur) und erreichte so spezielle Klangfarben.

Ab Mitte der 1920er Jahre bis ungefähr 1930 war Willie Brown der Begleitgitarrist von Charley Patton, danach in gleicher Funktion von Son House. Anfang der 1930er Jahre hatte er wesentlichen Einfluss auf Robert Johnson.

Son House kannte, wie erwähnt, Charley Patton und Willie Brown. Er spielte bis zu Pattons Tod mit House. House wurde ebenfalls auf einer Plantage geboren. Er trank viel und hatte diverse Affären, obwohl er eigentlich Pastor war.

1926, nach seiner Rückkehr aus Louisiana, entdeckte er in Mississippi den Blues für sich, lernte Gitarre spielen und gab seine Pastorentätigkeit auf. Nichtsdestotrotz schrieb er mehrere Titel mit religiösem Hintergrund, beispielsweise „Preachin‘ the blues“.

1928 erschoss er – ihm zufolge in Notwehr – einen Mann und wurde zu Zwangsarbeit auf der Parchman Farm, dem Staatsgefängnis von Mississippi verurteilt, ein Jahr später jedoch wurde er nach erneuter Prüfung des Falles freigelassen.

House zog nach Lula, Mississippi und traf dort auf Charley Patton und Willie Brown, mit denen er bis zu Pattons Tod oft zusammenspielte, Brown wechselte 1930 in seiner Funktion als Sideman von Patton zu House. 1930 konnte House Aufnahmen machen. Er wird bei Robert Johnson in „Crossroads“ erwähnt. 


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