Bluestexte - Signifying - die Sprache des Blues

Die Texte der Bluessongs aus dieser Frühzeit des Blues waren stilprägend für kommende Generationen. Die Lebensumstände der ausgenutzten, mies behandelten und weitgehend rechtlosen Neger waren die weitaus häufigste Quelle für das Besingen des Blues, des Mitteilens der eigenen Nöte.

Die dominierenden Themen waren Sex, Unterdrückung, Lebensumstände, Politik und Melancholie. Oft wurde verklausuliert, denn wenn es der Falsche hörte und verstand konnte das speziell in den Südstatten Konsequenzen haben.

Das „Signifying“ steht für das Verschleiernde und Doppeldeutige. Dem Bildungsstand entsprechend ist auch das Englisch oft abenteuerlich und schwer verständlich, dazu kam der starke Akzent bei vielen der alten Bluessänger.

So hört man beispielsweise oft „womans“ oder „womens“ statt „women“ und dergleichen. Dazu erwähnen sie heute kaum mehr geläufige Begriffe und Namen von beispielsweise Zuglinien vom Süden nach dem Norden, die damals allgemein bekannt waren. Nicht zuletzt sind viele Begriffe afrikanischen Ursprung und können ohne spezifisches Wissen nicht verstanden werden. Der Begriff „Banjo“ als gutes Beispiel war eine Entwicklung von „mbanza“, einem Saiteninstrument der Bantu aus Angola. Der heute geläufige Begriff der „Cats“ für Musiker stammt mutmasslich vom afrikanischen Kat ab, was schlicht Mann bedeutet.

Nicht unwichtig ist auch der Einfluss der Voodookultur, - ursprünglich aus dem heutigen Benin, der Niederschlag in vielen Symbolen des Blues findet, allen voran die Mojo Hand als Glücksbringer. So heisst „got my Mojo workin“ beispielsweise „den Scharm / Zauber spielen lassen“.

 


„Signifying – die Sprache des Blues.“

 

Oft waren die Inhalte der Texte aber eindeutig, respektive mehrdeutig „explicit“. Mit unzähligen Metaphern wurde auf Sex und Drugs angespielt. Das verstand damals jeder in der schwarzen Community. Die extremste Form davon kennt man als „Hokum Blues“. Dort wurde dann nicht um den Brei herumgesungen, sondern es waren klare Botschaften.

Die Begründer des „Hokum Blues“ waren Tampa Red, Papa Charlie Jackson  und Leroy Carr. Einige der bekanntesten Bluesssängerinnen widmeten sich ebenfalls intensiv den anzüglichen Texten, so auch Bessie Smith oder Lucille Bogan.

Bessie Smith sang etwa „I need a hotdog in my roll“ (Ich brauche einen Hotdog in meiner „Rolle“) oder Lucille Bogan „I got nipples on my titties as big as my thumb“ („Ich habe Nippel auf meinen Brüsten, so gross wie mein Daumen“).

Männliche Bluesssänger kamen vor gemischtem, resp. weissem Publikum erst ab ca. 1924 in den Genuss von etwas Popularität. Ihnen war beim weissen Publikum eher die Rolle des tanzenden Negers zugedacht.

Die ersten Stars des Blues beim gemischten Publikum waren fast ausschliesslich Frauen, weil diese etwas mehr Spielraum und Akzeptanz hatten bei der weissen Bevölkerung. Ma Rainey, Bessie Smith und Ida Cox stehen stellvertretend für diese frühen, sehr erfolgreichen Stars.

Der Begriff Blues ist wohl aus Blue / Blue devils entstanden. Blau galt schon seit langer Zeit als die Farbe der Sehnsucht, der Melancholie, des Schmerzes, des Verlustes etc. Die ersten Songs, die den Begriff „Blues“ im Titel hatten waren aber nicht Bluesnummern, wie wir sie heute kennen. Der Begriff wurde auch in anderen Stilen verwendet.

Der typische Bluestext ist oft nach naxchfolgendem Schema aufgebaut:

Die erste Linie der Strophe wird wiederholt, um die Eindringlichkeit der Information zu untermalen und / oder aber um dem improvisierenden Sänger Zeit zum Überlegen der nächsten Zeile zu verschaffen. Dann folgt in der Regel, das, was passiert / passieren soll aufgrund der mitgeteilten Information. Beispiel:

 


„I got soon up in the morning, I believe I’ll dust my broom


I got soon up in the morning, I believe I’ll dust my broom


I quit the gal I’m loving, now my friends can get in my room“

 

Blues war in den Geburtsjahren keineswegs immer ein 12-Bar-Blues. W.C. Handy, der als erster einen Blues aufschrieb und die Notenblätter verteilte, wählte diese Struktur wohl aus einer ihm gewohnten Logik heraus. Handy war ein versierter und erfahrener Musiker und kein Amateur oder Autodidakt wie die allermeisten Bluesprotagonisten.

Die Bluesgitarristen stimmten die Instrumente nach Gehör und auf mancher Aufnahme stellt man fest, dass die Stimmung schief ist. Gespielt wurde in verschiedenen Stimmungen. Nebst der Standardstimmung EADGHE waren sogenannte offene Stimmungen häufig. Den offenen Stimmungen gemeinsam ist, dass die leeren Saiten einen reinen Dur- oder Mollakkord bilden, die das Spielen von Akkorden mit Slideröhrchen vereinfachten. Die bekanntesten Stimmungen sind EAEACisE (E-DUR), DGDGBD (D-DUR), DADFisAD (D-DUR) oder EACisEAE (A-DUR).

Das Ziel der Solokünstlern war die Grundakkorde rhythmisch und tanzbar vorzutragen und mit Licks und Verzierungen anzureichern, oft als Antworten auf die oder Kontrapunkt zu den Gesangslinien. Das Spiel war rau und kräftig, da Lautstärke wichtig war, um in den lärmigen Spelunken überhaupt gehört zu werden. Verstärker gab es wie Mobiltelefone oder glutenfreie Yoghurts noch keine.

Meistens waren die Delta-Bluesgitarristen allein oder zu zweit unterwegs, parallel dazu entwickelten sich Bluescombos mit Bass, Drums, Klavieren, Harps, Jugs und Bläsern.

Jugs sind Tonkrüge, auf denen Töne und Melodien geblasen wurden.

Der urtümliche Blues lebt mehr von Licks und noch nicht von den später gespielten längeren Soli.


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